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12. September 2008

Methoden der Pecherei: Die Grandl- oder Schrottmethode

Die zuletzt angewandte Zapfbechermethode unter Verwendung der Pechhäferl stammt ursprünglich aus Frankreich. Davor diente als Sammelbehälter eine in das unterste Stammende geschlagene Vertiefung, das Schrott oder Grandl. (Noch früher wurde das abfließende Harz in am Boden unterhalb des Baumes angelegten Lehm- oder Erdgruben gesammelt, wodurch es aber stark verschmutzte.)
Zur Anfertigung des Grandls wurde der Baum zunächst mit der schweren Vorstechhacke waagrecht eingehackt (vorgestochen), danach wird schräg nach innen eine tiefe Kerbe in den Splint geschlagen (abgeheilt), sodass eine schräge Ausnehmung, der Mond, entsteht. Der waagrechte Teil dieser Ausnehmung wird danach mit der Vorstechhacke oftmals leicht eingeschnitten (Mürbemachen), um in der Folge die napfförmige Vertiefung mit der Anhackhacke (auch Schrott-, Mondschein- oder Mondhacke), die eine schmale, abgerundete Schneide hatte, zu erleichtern.
Wichtig war dabei, dass die so entstandene Ausnehmung sehr sauber gearbeitet war und sich keine Holzspäne mehr darin fanden. Deswegen wurden diese (das Gehacke) während der Arbeit mit einem zugespitzten Holzstück, dem Rowisch, immer wieder entfernt. In den Rowisch schnitt der Pecher für jeden bearbeiteten Baum eine Kerbe, um die Übersicht über seine Arbeitsleitung zu behalten.
Zuletzt wurde die schräge Schrottfläche noch etwas ausgehöhlt und die ersten Zuleitungen aus Pechscharten für das abfließende Harz eingezogen. Danach begann der Pecher mit dem Dexeln.
Das Schrott diente für etwa 25 Jahre als Sammelbehälter, es fasste zwischen 0,25 und 0,35 kg Harz. Je höher sich der Dexelschnitt vom Schrott entfernte, umso länger wurde der Weg des am Stamm herabfließenden Harzes, das dadurch stärker verunreinigt wurde und wodurch das wertvolle Terpentinöl durch Verdunstung verloren ging. Auch bestand bei schiefen Bäumen die Gefahr, dass das Harz nicht in das Schrott, sondern zu Boden tropfte. Um dies zu verhindern wurden zahlreiche Leitspäne eingesetzt, wodurch sich der Weg des Harzes aber noch mehr verlängerte.
Nach etwa 15 bis 18 Jahren war die Stammseite, auf der begonnen wurde ausgeharzt, da sich das Besteigen des Baumes im Verhältnis zum Harzertrag nicht mehr lohnte. Bei manchen Bäumen gab es allerdings auch die Möglichkeit, die gegenüberliegende Stammseite zu harzen. Das Harz floss dann über einen am Stammfuß mit Scharten angelegten Umleitungsring in das Grandl, woher sich auch der Ausdruck Zuleiter für derartige Bäume ableitet. Die Anlage eines zweiten Grandls war nicht möglich, da dadurch der Baum abgestorben wäre, wenn er nicht schon vorher dem Wind aufgrund der Schwächung des Stammes zum Opfer gefallen wäre.
Das am Ende des Jahres an der Lachte angesammelte Scharrharz wurde ebenfalls gesammelt und abgekratzt.
Trotz ihrer bedeutenden Nachteile wurde die Schrottmethode im niederösterreichischen Föhrenwald noch 1916 von 98% der Pecher angewandt, selbst 1924 waren es noch 90%. Erst 1933 sank dieser Wert auf 5%.

2. November 2007

Das Arbeitsjahr des Pechers: Die Winterarbeit

Im Winter bereitete sich der Pecher auf die sehr zeitintensive Frühjahrsarbeit vor. Dazu schärfte er seine Geräte (wie Anzschhacke, Rintler oder Röteleisen, Dexel) und hobelte die Pechscharten mit Hilfe eines Schartenhobels aus einem etwa 30 cm langen, gerade gewachsenen, möglichst astfreien Stück Weißkiefernholz. Dieses wurde auf der Schartenhobelbank festgespannt, um zu zweit mit dem schweren Hobel etwa 5 bis 8 cm breite, jedoch nur wenige Millimeter dicke Scharten unter ständigem Drehen des Holzstückes abhobeln zu können. An einer Längskante wurden die Scharten darüberhinaus mit dem Fürhackdexel zugeschnitten, um das spätere Einziehen in die Lass am Baum zu erleichtern. Bedenkt man, dass pro Pechbaum zwei bis vier Scharten erforderlich waren und manche Pecher bis zu 3.000 Bäume bearbeiteten, wird klar, dass es sich dabei um eine sehr langwierige und anstrengende Arbeit gehandelt hat, wenngleich auch mitunter alte Scharten weiter verwendet werden konnten. Doch auch diese mussten für ihre Verwendung vorbereitet und geputzt werden. Um sie geschmeidig zu halten, wurden die Scharten in Wasser eingeweicht und vor dem Verarbeiten in feuchte Tücher eingewickelt.

Der Winter wurde auch genutzt, um die Leitern zu reparieren oder neue Leitern anzufertigen. Es mussten die Leitersprossen aus Hartriegelholz, die aufgrund der mit Nägel versehenen Schuhe stark abgenutzt wurden, ersetzt werden. Auch die Schuhe wurden im Winter repariert und gepflegt.

Weiters wurden im Winter neue Pechheferl beschriftet, um Diebstahl zu verhindern.
Unmittelbar vor Beginn des Zeschens im Frühjahr ging er den Pechersteig ab und säuberte ihn von Stauden und Unterholz.